"Spahnsinn" - aktueller denn je .......

spahn Leserbrief von Elmar Kampshoff zu Jens Spahn....

Johannes Röring gab sich am Abend seiner Wahl (Anm. im Jahr 2008) kämpferisch: „Wir wollen das Land nach vorne bringen und sollten es nicht sozialistischen Spinnern überlassen.“ Auch ich bin dafür das Land nach vorne zu bringen, aber es sollte dabei auch nicht christdemokratischen Spinnern überlassen werden. Wer, wie Röring´s Freund und Parteikollege Jens Spahn zur Jagd auf Sozialdemokraten aufruft – reicht für den der Begriff „Spinner“ eigentlich noch aus?

Jagd bedeutet: Aufsuchen-Nachstellen-Erlegen!

Wie wirkt ein solcher sprachlicher Umgang mit politisch Andersdenkenden auf Kinder und Jugendliche? Das ist, meiner Meinung nach, tumbes Wortgut, sonst nur aus der rechten Ecke zu hören. Das ein Mitglied des Bundestages sich dessen bedient ist eine Schande und die sicherlich rasch folgende Entschuldigung seinerseits kann eines nicht verdecken: Wessen Geistes Kind der zur Jagd Aufrufende eigentlich ist. Sicher keiner mit rechter Gesinnung, aber jemand, den man genau im Auge behalten sollte. Und noch etwas: Als Johannes Röring am selben Abend verkündete, christliche Werte müssen Grundlage täglichen Handelns werden, wo war da eigentlich Jens Spahn?

Leserbrief zur Berichterstattung: „94,3 Prozent für Johannes Röring“ ,MZ, Kreis Borken, vom 20.11.2008


Betr.: Leserbrief „Sozis jagen“, MZ, 28.11.08

„O si tacuisses! Wenn du doch geschwiegen hättest!“, lautet ein Übungssatz aus dem Lateinbuch. Ja, wenn er doch geschwiegen hätte! Jens Spahns Antwort auf die empörten Reaktionen, die sein Aufruf: „Lasst uns die Sozis jagen.“ bewirkt hat, zeigt etwas Bestürzendes. Ihm fehlt das Vermögen, zwischen Sachverhalten zu unterscheiden. Er vermutet, man habe lediglich Anstoß genommen, weil er „zu grob“ formuliert habe. Das ist Selbsttäuschung aus Mangel an Reflexion. Jens Spahn fehlt das Bewusstsein für die Verläufe der deutschen Geschichte. Wer sich als Teil einer demokratischen Gemeinschaft versteht, hat auch 2008 noch Geschichtslasten zu schultern, auf die Hans – Peter Kemper in seinem Leserbrief („kein Niveau“, MZ, 27.11.08) kurz hingewiesen hat.

Wer als öffentliche Person in dieser spezifisch deutschen Gemeinschaft in Erscheinung tritt, von dem darf erwartet werden, dass er reflektiert – vielleicht sogar vorbildlich – spricht und handelt. Auch als junger Erwachsener, auch hinter verschlossenen Türen „in einer innerparteilichen Veranstaltung.“ Er hätte, nachdem ihn Leser auf zu verurteilende Tatbestände aus der deutschen Geschichte, die sein Aufruf in Erinnerung bringt, aufmerksam gemacht haben, zwischen einem Muntermacher aus dem Indianerspiel pubertierender Jungen („Auf sie mit Gebrüll!“) und seinem Appell zur Volksverhetzung unterscheiden können müssen. Auch zwischen einem Ringen im verantwortungsvollen politischen Engagement und dem Treiben auf der Spielwiese, wo allerdings ein alter Trainer – Slogan des Kreisklassenfußballs verräterisch lautete: „Erst den Mann (treten) und dann den Ball.“ Jens Spahn hätte sich seinem sprachlichen Missgriff stellen müssen. Der Schrecken darüber hätte ihn bewegen müssen inne zu halten statt sich wortreich zu rechtfertigen, eine Rechtfertigung, die zeigt, dass er gar nichts begriffen hat.

Zu unterstellen, kritische Leser, die ihn angreifen, ließen sich zum Werkzeug der Interessen anderer machen, bestätigt noch einmal die eigene Blindheit gegenüber der Verantwortung, die jeder mündige Bürger angesichts unserer Geschichte in unserer Demokratie wahrzunehmen hat. Maria – Elisabeth Möllers, Heek